Eiskalt ausgenutzt: Harriers profitieren von Lücken in der Defense

Erst im vergangenen Winter hat sich das Team der Harrington Harriers neu gegründet. Die besondere Schwierigkeit: Die Spieler*innen sind keine Profis, sondern eigentlich Anwärter*innen und Lehrpersonal der Broughton Academy, die darauf trainiert werden, Magic Britain vor Gefahren zu schützen.

Seit einigen Monaten trainieren sie aber auch für ein zweites Ziel: Die Teilnahme an der Honour League. Um den unerfahrenen Spieler*innen so viel Spielpraxis wie möglich zu geben und aus der Truppe ein Team zu formen, spielen die Harriers daher im Moment möglichst viele Testspiel, wie Coach Benedict Devereaux-Montmorency nach der Partie in Salisbury erzählte.

Dass es überhaupt zu diesem Testspiel kam, war vor einigen Wochen noch nicht absehbar, denn auch der Old Sarum RC hatte sich auf eine Lizenz für die Honour League beworben, letztlich aber den Kürzeren gezogen, womit sich die Verantwortlichen nicht zufrieden geben wollten und vor das SPortgericht zogen. Nachdem das Gericht ihre Beschwerde abgewiesen hatte, hat man sich nun in Salisbury damit abgefunden, dieses Jahr nur im Freizeitbereich unterwegs zu sein. 

Old Sarum RC vs. Harrington Harriers

20-45

Bereits in der letzten Tagen konnten die Harriers ein Blitzturnier auf der Cringle Farm für sich entscheiden, nun wurde der Gegner im zweiten Testspiel vor Saisonbeginn ein wenig anspruchsvoller. Immerhin ist der Old Sarum RC zumindest auf dem Papier mit einem Rating von 2,683 den Gästen (1,285) deutlich überlegen. 

Davon ließen sich die Spieler*innen der Broughton Academy allerdings nicht beirren: Gleich in der ersten Runde nutzte Kenan Trevelyan eine Lücke in der gegnerischen Defense und lief alleine auf den Keeper aus Salisbury zu. Oben angetäuscht, unten eingeworfen und schon gingen die Harriers mit 5.0 in Führung. Dass es dabei zunächst blieb, lag auch an Kicker & Passer Vincent Kanouté, der in den letzten Tagen immer wieder Formschwankungen zeigte, und seinen Schuss zur Punkteverdopplung vergab.

Auf der anderen Seite versuchte sich Sandrine Moreau im Angriff über die linke Seite, traf dabei aber auf Liam Spencer in der Defense der Harriers. Spencer, eigentlich als Professor an der Akademie angestellt, bestätigte seinerseits, dass er momentan einen Lauf hat und räumte seine Gegenspielerin gnadenlos ab. “Ich hab momentan einfach super viel Spaß am Rugby, da läuft es dann fast von allein”, gab er hinterher zu Protokoll. 

Den nächsten Angriff der Harriers initiierte Frances Nigellus über links, allerdings sah sie schnell, dass kein Durchkommen war und übergab daher den Ball an Trevelyan in der Mitte. Frei nach dem Motto “Das Glück ist mit dem Tüchtigen” zog er einfach im Vollsprint ab und wuchtete den Ball über die Latte zum nächsten Treffer. Dieses Mal gab sich auch Kanouté keine Blöße und erhöhte auf 25-0 für die Gäste. 

Im eigenen Stadion so vorgeführt zu werden, ließen die Gastgeber*innen dann allerdings nicht länger auf sich sitzen: Erneut war es Moreau, die dieses Mal die Defense der Harriers hinter sich ließ und alleine vor Keeper Pauline of Rubin auftauchte ihren Kick locker über die überfordert wirkende Spielerin kickte. Da auch der Kicker & Passer von Old Sarum traf, stand es nur noch 20-25 für das Heimteam.

Im folgenden Angriff der Harriers zeigte sich einmal mehr ein Phänomen, das auch bereits beim Blitzturnier von Cringle zu sehen war: Die Defensereihen der Harriers-Gegner konzentrieren sich vor allem auf Frances Nigellus und nehmen sie in Deckung – da sie offenbar mit ihrer internationalen Erfahrung als größte Gefahr ausgemacht wird. Die dadurch entstehenden freien Räume kann wiederum Trevelyan immer wieder für eigene Angriffe und Punkterfolge nutzen: So erhöhte er zusammen mit Kanouté zunächst per Wurf auf 35-20 und im Anschluss sogar noch auf 45-20, was gleichzeitig auch der Endstand war. 

Fazit: Die Harriers finden als Team immer mehr zusammen. In den Offense kann Frances Nigellus ihre Torgefährlichkeit momentan aufgrund der engen Deckung bislang nicht ausspielen, was durch Trevelyan jedoch wettgemacht wird. Der dritte Rusher Thane Mullen, einziger Spieler ohne jede Vorerfahrung in der Offense, muss sich zunächst noch an das hohe Tempo gewöhnen und kommt oft einen Schritt zu spät. 

In der Defense glänzt vor allem Liam Spencer, während daneben Keiran O’Malley und die kurzzeitig eingewechselte Livia May noch lernen müssen, sich gegen die heranstürmenden Rusher des Gegners zur Wehr zu setzen. Nominell ist die Defense der Harriers eindeutig im Nachteil, momentan kann Spencer das zwar noch ausgleichen, aber ob er dauerhaft der Doppelbelastung aus Job und Sport standhalten kann, bleibt abzuwarten, zumal auch von der Bank keine Spieler*innen mit Erfahrung nachrücken würden. 

Pauline of Rubin im Tor hatte heute wenig zu tun, bleibt aber ein Unsicherheitsfaktor. Wer im Rugby Angst vor den Bällen hat, wird es auf Dauer schwer haben sich durchzusetzen. Bei den Gegentreffern war sie allerdings machtlos. 

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