Schwächelt der Meister kurz vorm Europapokal?

Meister Flower of Montrose wird die Britischen Inseln im August im Europapokal vertreten. Doch ausgerechnet wenige Tage vor dem Start setzt es eine Niederlage, die das Team die Tabellenführung kostet. Ein schlechtes Vorzeichen?

Mancunian Pride vs. Letterkenny Casuals

20-0

„Natürlich kann man bei diesem Duell nicht unbedingt schönen Rugby erwarten, Es geht hier schließlich ums Überleben. Insofern bin ich zufrieden, auch wenn es sicher kein Leckerbissen für die Fans war“, erklärte Prides-Trainerin Summer McPride im Anschluss an den Sieg gegen Letterkenny.

Die Ir*innen, Letzte der Tabelle, zeigten einmal mehr, warum sie wohl in der nächsten Saison wieder in der Honour League spielen werden: Keine Durchschlagskraft, keine Ideen – und das Zielwasser hatten die Rusher wohl auch vergessen zu trinken. Einzig der Kampfgeist ist ihnen nicht abzusprechen, weshalb es auch bis zur achten Angriffsrunde dauerte, bis ein Angriff der Prides endlich den Weg ins Tor fand: Badou Sanneh traf per Wurf, Kicker & Passer Nauka Smirnowa verwandelte ihren Kick5 und brachte die Prides in Führung. Direkt im nächsten Angriff der Gastgeber*innen wiederholten die beiden dieses Schauspiel in fast identischer Manier – was Casuals-Left Tackle Inez Cantwell zur Verzweiflung trieb: „Klar waren wir nicht gut, aber zwei Mal hintereinander den gleichen Fehler zu machen, dazu gehört schon eine große Portion Dummheit!“

 

Conquerers of Saint Ives vs. Flower of Montrose

35-15

Die Flowers sind am Sonntag auf dem Weg in die Playoffs überraschend bei den Conquerers gestolpert und müssen infolgedessen die Tabellenführung abgeben. Dabei lief zunächst alles nach Plan: Gleich im ersten Angriff der Gäste gelang Aria Pivendale ein Wurf ins Tor, allerdings schaffte es K&P Fynn Little nicht, seinen Kick5 zu verwandeln. Stattdessen zeigten die Conquerers, dass sie dem Favoriten die Punkte nicht einfach so überlassen würden: Left Rusher Schelju Naidenov und K&P Benjamin Patel konnten beide ihre Kicks im Tor unterbringen, sodass das Team aus Cornwall in Führung ging.

Allerdings kamen auch die Flowers zu Chancen, eine davon nutzte Alvaro Balli per Wurf, ehe Nelly Williams einmal mehr zeigte, warum er zur Zeit einer der besten Rusher der Brooms’n’Joy League ist. Zunächst baute er den Vorsprung der Conquerers per Wurf aus, anschließend legte er per Kick nach, sodass dem Team aus Saint Ives der Sieg nicht mehr zu nehmen war.

Auf die Frage nach einer möglichen Überbelastung durch den Europapokal in der bald anstehenden Sommerpause reagierte Flowers-Trainer Hamish Macdonald of Clanranald dagegen verschnupft: „Nein, es ist eine Ehre, dass wir die Britischen Inseln international vertreten dürfen. Da geht noch mal ein ganz anderes Adrenalin durch den Körper, die Spieler*innen sind jetzt schon alle heiß drauf. Wir haben keine mentalen Probleme! Heute haben wir einfach nicht gut gespielt, der Gegner schon. Das war’s, mehr gibt es da nicht reinzudeuten.“

 

Cymru Union of Ferndale vs. Ulster RC

10-0

„Wir haben das Augenmerk heute vor allem auf die Defenseleistung gelegt. Das hat wunderbar funktioniert, insofern bin ich schon vollends zufrieden. Dass die Offense dann mit diesem einen erfolgreichen Angriff auch noch den Sieg holt, freut mich natürlich besonders, auch wenn das nicht abzusehen war“, bilanzierte Union-Trainer James Rhys. In der Tat lieferten der junge Right Tackle Gunnar Odenberg und Routinier Nikolaj Antonov auf der linken Seite ein ganz starkes Spiel für das Team aus Wales ab, das durch den Wurftreffer von Jonah Pritchard sogar den Sieg feiern durfte.

Auf der anderen Seite sah die Welt dagegen ganz anders aus: Beim Ulster RC, eigentlich angetreten, um in der Tabelle dichter an die Spitze heranzurücken, lief am Sonntag überhaupt nichts zusammen. „Die Absprachen passten nicht, Laufwege wurden nicht eingehalten, die einfachsten Fehler produziert – das war heute echt unterirdisch!“, schimpfte Manager No Ra Lloyd. Die Nordir*innen konnten froh sein, dass Union ihnen nur so wenige Punkte einschenkte, ein deutlicherer Sieg wäre auf jeden Fall verdient gewesen.

 

Bath Academics vs. Magic Carmarthen

35-10

„Wir schaffen es leider viel zu oft einfach nicht, unseren Vorsprung auch mal ins Ziel zu bringen. Daran müssen wir unbedingt arbeiten, denn wir bringen uns selbst um den Lohn unserer Arbeit“, analysierte Center Rusher Benthe van den Berg von Magic Carmarthen die Niederlage gegen Bath.

Dabei fing das Spiel gut für die Damen aus Wales an: Glesni Galeforth und K&P Hailey Parker-Hall brachten Magic per Wurf in Front, ehe Academics-Rusher Wally Moeketsie und sein K&P Laryn Hale Pickering den Ausgleich erzielten. Es folgte der große Auftritt von Ratnasiri Sudu Rahim, dem es gleich zwei Mal gelang, Keket Salah auf der rechten Seite auszutanzen und per Wurf einzunetzen.

Als erneut Moeketsi für die Academics traf, war der Drops schon gelutscht, nichtsdestotrotz freute sich der Südafrikaner über die Punkte: „Ich bin momentan super in Form, fühle mich sehr fit. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich in Bath zurecht gefunden habe, aber ich habe nun endlich das Gefühl, dass ich angekommen bin!“

 

Kerry Celtic vs. Maidstone Gardeners

10-5

Sadhbh Connell schrie ihre Freude heraus, als sie endlich den Ball im Netz von Gardeners-Keeper Sally-Anne Perkins untergebracht hatte. Zuvor hatte sie eine halbe Stunde lang alles versucht, um an ihr vorbeizukommen, aber vergeblich: Perkins verteidigte den winzigen Vorsprung von fünf Punkten nach dem Wurftreffer von Teamkollege Elias Alvares Teixeira eisern. Nur diese eine Mal war sie machtlos – aber da auch Celtics K&P Jehan Rahim traf, wurde am Ende eine Niederlage draus. „Sadhbh hat es wirklich aus allen Lagen versucht, auch die Kolleg*innen haben ihr bei jeder Gelegenheit den Ball überreicht. Manchmal macht es auch Spaß, sich so ein Privatduell auf dem Platz zu liefern, vor allem wenn man die Person auch abseits des Feldes kennt und schätzt“, fand Perkins anschließend lobende Worte für die Gegnerin.

Ansonsten hatte das Spiel nicht allzu viel zu bieten: Beide Defenses standen sehr tief und hielten dem Ansturm der gegnerischen Offense ein ums andere Mal stand. „Das war ein Spiel für Taktikfüchse“, gab Celtics Trainer Seamus McKenna zu. „Man muss dann geduldig sein und auf seine Chance hoffen. Das hat heute geklappt“, so der Ire.

 

Wolverhampton Locks vs. Southampton Rovers

10-15

„Nicht gut gespielt, aber trotzdem jetzt Tabellenführer. Alles andere ist gerade egal“, erklärte Rovers-Rusher Elsie Carter-Phillips nach Ende der Partie erleichtert. Vor allem die beiden Kicker & Passer standen zuvor immer wieder im Mittelpunkt, denn sowohl Olly Hawkins im Trikot der Rovers als auch Hannah Leibowitz in den Farben der Locks trafen das Tor nicht. Also war es an den Rushern, eine Entscheidung zu suchen.

Während sich der Superstar der Rovers, Alessandro Locatelli, merklich zurückhielt, probierten Carter-Phillips und Offense-Kollege Manni Schlegel alles, den Sieg nach Southampton zu holen. Doch die Locks, die weit unten in der Tabelle stehen, wollten sich nicht kampflos ergeben und so war es Thomas O’Connor, der die ersten Punkte der Partie erzielte. Sein Wurf reichte am Ende aber nicht aus, denn Carter-Phillips traf in der letzten Runde per Kick. „Wir haben wirklich alles getan, um gegen die Rovers anzukommen, aber am Ende waren sie dann doch zu stark. Sehr schade“, bilanzierte Rebecca-Isobel Furneaux-Smith aus der Offense-Abteilung den Locks.

 

Dunfermline Thistle vs. Victoria on Sea

0-30

„Zu harmlos. Die Angriffe waren viel zu leicht durchschaubar. Kein Wunder, dass wir da keine Punkte machen“, schimpfte Center Rusher Bonnie Macfarlane von Thistle frustriert. In der Tat hatte die Defense von Victoria keinerlei Probleme mit dem Gegner, weshalb es letztlich einzig darum ging, wie lange es dauern würde, bis die Offense von Victoria die Überlegenheit endlich in Punkte ummünzt.

Ganze sieben Runden ließ sich Winston-Wilbur Wilmington Zeit, bis er per Wurf traf, ehe K&P Clement Lefèvre die Punkte noch verdoppelte. Im nächsten Angriff legten sie dann per Kick nach, sodass am Ende ein ungefährdeter Sieg für das Team von der Isle of White heraussprang. „Das war doch sehr anstrengend heute bei dem Wetter. Ich hab ja nichts gegen ein bisschen Regen beim Rugby, auch wenn ich das gar nicht so laut sagen darf“, scherzte Wilmington hinterher.

 

Nach dem 11. Spieltag setzen sich die Rovers auf den ersten Tabellenplatz, gefolgt von den Flowers, die zwei Punkte Rückstand haben. Mit den Academics, Celtic und Ulster folgen drei Traditionsmannschaften auf den vorderen Playoff-Plätzen. Unten sieht es für die Casuals weiter zappenduster aus, während der Kampf um den zweiten Abstiegsplatz zwischen den Locks, Thistle und den Prides gegen Ende der Saison noch spannend werden dürfte.

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