Ein Sport im Umbruch

Eine bewegte Saison im Harrington Rugby neigt sich ihrem Ende zu. Die letzten Spiele sind gespielt, der Meister der Brooms’nJoy League 1987 steht mit Flower of Montrose fest. Zeit, Bilanz zu ziehen nach einer Saison, die nicht immer einfach war für eine Sportart im Umbruch. Maxwell Jones, ehemaliger Spieler und Leiter der Sportredaktion des Daily Observer, zieht sein ganz persönliches Fazit.

Den ganz großen Wurf hatte der Verband versprochen – und dafür die Vereine monatelang hingehalten. Wieder und wieder wurde der Saisonstart verschoben, während die Harrington Rugby Union (HRU) an einem “bahnbrechenden Konzept” schraubte, um gegen schwindende Zuschauer*innenzahlen und mangelndes Interesse in immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung vorzugehen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass andere Sportarten aus der First World vermehrt in den Fokus der Magier*innen rücken. Vor allem unter Exceptionern ist die Akzeptanz unseres magischen Harrington Rugby gering wie nie. 

Aber was ist am Ende bei den Überlegungen des Verbands herausgekommen? Herzlich wenig, das muss man in aller Deutlichkeit enttäuscht feststellen. Die fehlende Saisonvorbereitung setzte den Teams hart zu und hatte Auswirkungen bis in den internationalen Wettbewerb hinein, der im Sommer ausgespielt wurde. Und wo der RC Victoria als Meister des Vorjahres überhaupt keine Rolle spielte, um das in aller Deutlichkeit zu sagen. Andere Nationen sind im Harrington Rugby längst an uns vorbei gezogen!

Das zeigt sich auch in der Verpflichtung des italienischen Superstars Alessandro Locatelli, nunmehr teuerster Rugbyspieler der Welt. Wie viel Geld die Southampton Rovers genau auf den Tisch legten, ist bis heute nicht bekannt, allerdings standen zwischenzeitlich goldene Wasserhähne in seinem Haus im Raum. So weit ist es also gekommen!

Locatelli bereichert die Liga zwar mit seinen sportlichen Ideen – aber er füllt nebenbei eben auch die Klatschspalten des Landes. Ausflüge in die First World, Affären mit It-Girls, Club-Nächte in den angesagten Tanztempeln – die Liste ist lang. Aber wie lang ist es her, dass den Titel “teuerste*r Rugbyspieler*in der Welt” auf die Inseln ging? Zur Erinnerung: Aktueller Weltmeister ist Neuseeland! 

Der Verband spricht von langfristigen Plänen. Das sei auch durch die Neuauflage des Harrington RC gesichert, der ab der kommenden Saison wieder in der zweitklassigen Honour League antreten wird. Harrington RC, dieser Name steht für die ganz große Geschichte des Sports. Der erste Verein, im letzten Jahrhundert als Schulteam der Broughton Academy gegründet, sorgte in den Anfangsjahren für viele Erfolge in der neu geschaffenen magischen Sportart Harrington Rugby. Doch dann wurde es ruhig um das Team. Wechselnde Teilnehmer in der Liga, Misserfolge und zugige Stadien, dazu die Gründung der ersten Profiliga sorgten für den langsamen Niedergang der Honour League. Doch damit soll nun Schluss sein, wie die HRU ankündigte. Sogar ein neues Stadion wird in Harrington gebaut. Doch für wen eigentlich? Wie viele Menschen im Forest of Bowland haben wirklich Interesse an Rugby? Nun, aber Hauptsache, der Verband hat viel Geld in die Hand genommen und Aktionismus gezeigt!

Nicht fehlen im Saisonrückblick dürfen auch die zahlreichen Skandale, die unseren Sport dieses Jahr erschüttert haben. Da wäre zuvorderst der Aktivismus einiger Personen, die den Rugby missbraucht haben, um auf ihre politische Agenda aufmerksam zu machen. Proteste pro Mystiker*innen – so etwas hat es noch nie gegeben! Zur Erinnerung: Mit einer Störaktion wurde der Draft der neuen Spieler*innen zu Saisonbeginn unterbrochen, Plakate hochgehalten, Botschaften propagiert, Menschen gegeneinander aufgehetzt. Entgegen aller Gepflogenheiten äußerten sich auch einige Clubs und Spieler*innen zu diesem unwürdigen Treiben – eine Unart, die aus der First World übernommen wurde. Dabei gilt festzuhalten: Sport ist unpolitisch! Agitationen haben im Rugbystadion und drumherum nichts zu suchen! Vor allem die (nord-)irischen Vereine taten sich hier negativ hervor, sodass es im Nachgang vielleicht ein Segen ist, dass Kerry Celtic gegen Montrose den Kürzeren im Saisonfinale zog. 

Es bleibt zu hoffen, dass der Verband künftig bei solchen Entgleisungen härter durchgreifen wird – der Rauswurf des unverbesserlichen Colin Murphy bei den Mancunian Prides ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Murphy gehörte zu denjenigen, die diesen Störaktionen durch seine Unterstützung zusätzlichen Raum in den Medien eingeräumt hatten. Unnötig und überflüssig! Auch ein Lucas May vom entthronten Meister RC Victoria on Sea sorgte gegen Ende der Saison für Aufsehen. Seine On-/Off-Beziehung zu It-Girl Olivia Merrygold lenkte nicht nur ihn vom Sportlichen ab, sodass er sich schlussendlich – zurecht! – auf der Bank wiederfand.

Es bleibt zu hoffen, dass in der kommenden Saison endlich wieder etwas mehr Ruhe in die Brooms’n’Joy League einziehen wird und wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren können: Rugby spielen!

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